Braucht mein Kind Nachhilfeunterricht oder Lerntherapie?

 

Wann Nachhilfe?

Nachhilfe hat sich bewährt, wenn Unterricht in Folge von Fehlzeiten versäumt wurde und ein eigenständiges Nachholen nicht möglich ist oder zu lange dauern würde. Sie ist auch sinnvoll, wenn Verständnisprobleme vorliegen, die mit anderen Erklärungswegen oder zusätzlichen Übungen gelöst werden können. Nachhilfeunterricht kann zudem erforderlich werden, wenn ein Schüler auf eine Schule wechselt, die einen höheren Wissensstand voraussetzt. Wenn Sie von den folgenden Fragen mindestens eine mit ja beantworten können, so spricht dies für Nachhilfe:

 

Checkliste Nachhilfe

  • Hat Ihr Kind Schulstofflücken, weil es eine Zeit lang nicht zur Schule gegangen ist oder im Unterricht unaufmerksam war?
  • Benötigt Ihr Kind viel Zeit für die Hausaufgaben?
  • Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kind mit einem älteren Schüler, Studenten oder Lehrer besser lernen könnte als mit Ihnen?
  • Möchte Ihr Kind bessere Noten haben und ist es bereit, dafür einen Teil seiner Freizeit zu opfern?
  • Ist Ihr Kind versetzungsgefährdet, ohne dass dies auf eine Lernschwäche bzw. -störung im Bereich des Lesens, Rechtschreibens oder Rechnens zurückzuführen ist?

Wann Lerntherapie?

Hat ein Kind oder Jugendlicher eine Lese- Rechtschreibschwäche (Legasthenie), eine Rechenschwäche (Dyskalkulie) oder gar eine Lernstörung, liegt ADHS vor, fehlen wesentliche Lernvoraussetzungen oder ist Nachhilfeunterricht aus anderen Gründen nicht ausreichend, sollten sich Eltern um eine Lerntherapie für ihr Kind bemühen. Wenn Sie von den folgenden Fragen mindestens eine mit ja beantworten können, so spricht dies für Lerntherapie statt Nachhilfe:

 

Checkliste Lerntherapie

  • Erhält Ihr Kind schon längere Zeit ohne erkennbaren Erfolg Nachhilfe?
  • Gehen die Lernschwierigkeiten über bloße Schulstofflücken hinaus, fehlen ihm vielmehr die Grundlagen erfolgreichen Lernens?
  • Kosten auch Sie die Hausaufgaben und das häusliche Lernen Ihres Kindes viel Zeit und belastet dies die Eltern-Kind-Beziehung?
  • Hat Ihr Kind eine diagnostizierte Lernstörung (z.B. Lese- und Rechtschreibstörung, Rechenstörung) oder gibt es Anzeichen für größere Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen?
  • Hat Ihr Kind keine Lust mehr, zur Schule zu gehen oder zu lernen, weil es in Folge vieler Niederlagen nur noch wenig zuversichtlich und motiviert ist?

 

Was genau unterscheidet Nachhilfe von Lerntherapie?

 

Zielgruppe

 

Nachhilfeunterricht ist ein Angebot für Schülerinnen und Schüler, die auch in ihren schwachen Fächern über gute Grundlagen verfügen. Das Erlernen des Lesens, Rechtschreibens und Rechnens gelingt weitgehend altersgemäß. Wenn hier Schwierigkeiten auftreten, dann nur punktuell, z.B. in der Groß- und Kleinschreibung oder in der Bruchrechnung. Diese Unsicherheiten können im Rahmen von Nachhilfe mit nochmaligen oder anderen Erklärungen sowie zusätzlichen Übungen überwunden werden. Auch Schüler, die in Kürze eine Klassenarbeit über z.B. Photosynthese, Klebstoffe oder die Französische Revolution schreiben werden, profitieren von einer Vorbereitung im Rahmen von Nachhilfeunterricht. Hier kann der Nachhilfelehrer Lerntechniken vermitteln und das selbstorganisierte Lernen anbahnen.

Lerntherapie richtet sich hingegen vornehmlich an Kinder und Jugendliche, denen das Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen außergewöhnlich schwer fällt. Diese Probleme zeigen sich nicht erst beim Erlernen der Groß- und Kleinschreibung oder der Bruchrechnung, sondern schon viel früher, etwa beim Unterscheiden von langen und kurzen Vokalen oder bei Additionen mit 10er-Übergang. Viele Lerntherapeuten arbeiten zudem mit Schülern, die unter fehlendem Zutrauen in eigene Fähigkeiten, Motivationsverlust oder Prüfungsangst leiden und daher fächerübergreifend schlechte Leistungen zeigen. Auch bei Aufmerksamkeitsstörungen (AD(H)S) reicht meist kein gewöhnlicher Nachhilfeunterricht, weil diese Kinder zunächst einen reflexiven Arbeitsstil und einen konstruktiven Umgang mit Fehlern erlernen müssen.

 

Inhaltliches

Nachhilfelehrer helfen Schülern bei der Bewältigung des aktuellen Schulstoffs. Die Arbeitsgrundlagen sind in der Regel das Schulbuch, Aufzeichnungen aus dem Unterricht, von den Lehrern erteilte Hausaufgaben sowie vom Nachhilfelehrer ausgewählte Zusatzübungen, mit denen ein Sachverhalt noch einmal erklärt und nachvollzogen werden kann.

Lerntherapeuten können sich nicht am aktuellen Schulstoff orientieren, weil Kinder und Jugendliche mit Lerntherapiebedarf schon lange den Anschluss verloren haben und zunächst an den Grundlagen arbeiten müssen. Aufgabe der Lerntherapeutin ist es, nach einer pädagogischen Eingangsdiagnostik diejenigen Lern- und Entwicklungsschritte anzubahnen, die eine allmähliche Bewältigung schulischer Anforderungen ermöglichen. Schwerpunkte liegen im Bereich des Schriftspracherwerbs (Lesen, Rechtschreibung), in der Förderung mathematischer Kompetenzen sowie im Aufmerksamkeits- und Konzentrationstraining. Da Lerntherapie einen ganzheitlichen Anspruch hat und Lerntherapeuten individuelle Lernwege ermöglichen wollen, verfügen sie über vielfältige Therapie- und Anschauungsmaterialien, Lernspiele sowie Trainingsprogramme. Jede Therapiestunde wird auf Grundlage des bisherigen Therapieverlaufs und der Therapieziele im Voraus geplant. Dies erklärt, warum ein Lerntherapeut viel mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung benötigt als ein Nachhilfelehrer, dem oft ein Blick in das Schulbuch, den Ordner oder das Heft genügt.